Nach dem Vorbild der Ausstellung im Naturhistorischen Museum Mainz im Jahre 2013 findet im Museum Hameln von 27. September 2017 - 08. April 2018 die Sonderausstellung "Ratten!" statt.
Sie beleuchtet Ratten im Hinblick auf kulturgeschichtliche, wissenschaftliche und biologischen Aspekten.

Wir als Rattenhilfe wurden im April 2017 vom Museum kontaktiert, ob wir uns als Kooperationspartner zur Verfügung stellen würden, für das geplante Farbrattenrudel.

Nachdem wir uns für die Zusammenarbeit mit dem Museum entschieden hatten, standen wir in der Planungsphase beratend im Hinblick auf den Gehegebau, die Einrichtung und die Haltungsbedürfnisse der Ratten zur Seite. Parallel begannen wir mit der Suche nach geeigneten rattigen Protagonisten, da wir ein Rudel von 10-14 Tieren normalerweise nicht einfach so bei uns beherbergen.

Drei Farbrattenweibchen, die ursprünglich aus einem Zooladen stammten und innerhalb kurzer Zeit wegen Trächtigkeit durch zwei Hände gingen, konnten mit zwei Würfen aus 16 Babys im Alter von 2-4 Wochen im Juli 2017 bei uns einziehen. Aus diesen zwei Notfallwürfen stammen die 14 jungen Farbrattenböcke, die am 15. September 2017 in das großzügige und wirklich großartig gestaltete Gehege im Museum einzogen.

 

Ins Museum gezogen sind:
14 Böcke

1x Agouti Variberk (NRH-28/17), m, geb. ca. 19.06.2017
1x Agouti Variberk (NRH-29/17), m, geb. ca. 19.06.2017
1x Black Hooded (NRH-30/17), m, geb. ca. 19.06.2017
1x Beige Hooded Red Eyed (NRH-31/17), m, geb. ca. 19.06.2017
1x Agouti Hooded(NRH-32/17), m, geb. ca. 30.06.2017
1x Agouti Hooded Dumbo (NRH-33/17), m, geb. ca. 30.06.2017
1x Agouti Berkshire Dumbo (NRH-34/17), m, geb. ca. 30.06.2017
1x Agouti Hooded (NRH-35/17), m, geb. ca. 30.06.2017
1x Beige Variberk Red Eyed (NRH-36/17), m, geb. ca. 30.06.2017
1x Beige Hooded Dumbo Red Eyed (NRH-37/17), m, geb. ca. 30.06.2017
1x Beige Hooded Dumbo Red Eyed (NRH-38/17), m, geb. ca. 30.06.2017
1x Black Hooded (NRH-39/17), m, geb. ca. 30.06.2017
1x Silver Fawn Variberk Red Eyed (NRH-40/17), m, geb. ca. 30.06.2017
1x Black Hooded (NRH-41/17), m, geb. ca. 30.06.2017
--> überwiegend lieb und zutraulich
--> Übernahme von einer Dame, die trächtige Ratten zur Aufzucht und Weitervermittlung aufgenommen hat und diese dann aus privaten Gründen doch wieder abgeben musste; leben ab Mitte September 2017 in der Sonderausstellung "Ratten!", Museum Hameln
--> in der Vermittlung seit 16.07.2017; vermittelbar ab ca. Frühjahr 2018, Interesse darf gerne schon bekundet werden

 

 

Uns ist klar, dass der Sachverhalt, dass wir als Rattenhilfe die Rattenhaltung in einem Museum unterstützen, einige Fragen aufwirft, von denen wir hier einen Teil beantworten möchten:

Warum unterstützt eine Rattenhilfe die Haltung von Ratten in einer Museumsausstellung?

  • Als wir die Anfrage des Museums bekamen, war auch unser erster Gedanke, dass Ratten nicht in eine Ausstellung gehören und wir das darum nicht unterstützen möchten!
    Allerdings hatte das Museum bereits beschlossen, dass definitiv Ratten in der Ausstellung gehalten werden sollen, als wir dazu angesprochen wurden. Für uns hieß die Frage also nicht OB Ratten im Museum leben werden, sondern WIE sie dort leben werden: Macht das Museum das mit uns oder ohne uns?
    Wir kamen in gemeinsamer Beratung zu der Übereinkunft, dass es zum Wohle der Ratten sinnvoller ist, wenn wir als Kooperationspartner mit dem Museum zusammenarbeiten. Denn nur so haben wir Einfluss auf die rattengerechte Haltung der Tiere und auch deren Zukunft nach Ende der Ausstellung. Es wäre demnach nicht verantwortungslos gegenüber den Ratten, WENN wir uns dazu bereit erklären, sondern gerade WENN NICHT!
    Was bedeutet das? - Die Ratten werden von uns als Leihgabe an der Museum gehen und nach unseren Haltungsvorgaben untergebracht. Nach Ende der Ausstellung kehren die Ratten zurück in eine unserer Pflegestellen und werden in ein artgerechtes Zuhause vermittelt.
    Andernfalls wären Ratten ins Museum gezogen, deren Herkunft unseren Grundsätzen widersprochen hätte (z. B. Zoohandlung), die Haltung hätte nach weniger strengen Vorgaben stattgefunden und die spätere Zukunft der Ratten nach Ausstellungsende wäre ungeklärt gewesen.
    Es bestehen zudem durchaus die nicht von der Hand zu weisenden, positiven Aspekte, dass Menschen hier im realen Erleben der Ratten Vorurteile abbauen können, das Interesse geweckt wird und das Wissen um Notfallratten und Pflegestellen zur Aufnahme von Tieren mehr Beachtung findet.

Woher kommen die Ratten?

  • Wir haben die Ratten als Notfalltiere bei uns aufgenommen. Gezielt haben wir dabei das Augenmerk auf Mamas mit Babys gelegt, damit die Ratten nach der etwas über 1/2 Jahr dauernden Ausstellung noch jung genug sind, um gute Vermittlungschancen zu haben. Bei Einzug ins Museum sind die 14 Böcke ca. 11-13 Wochen alt. Bis dahin wurden sie in einer unserer Pflegestellen, die sich extra für diese Aufgabe bereit erklärt hat, ausgiebig an Menschen gewöhnt, um den für die Tiere zuständigen Museumsmitarbeitern ein unkompliziertes Handling zu ermöglichen.

Werden die Ratten im Museum artgerecht gehalten?

  • Die für die Ratten zuständigen Mitarbeiter erhalten durch die Notrattenhilfe Bielefeld eine ausführliche Schulung in allen wichtigen Aspekten der Rattenhaltung, Versorgung, Ernährung, Beschäftigung und Krankheitserkennung.
    Für die gesamte Zeit der Ausstellung steht die Notrattenhilfe Bielefeld als ständiger Ansprechpartner zur Verfügung. Das Museum ist für mehrere unserer Pflegestellen innerhalb max. ca. 1 Stunde erreichbar, so dass auch zeitnahe Hilfe vor Ort möglich ist. In regelmäßigen Abständen werden durch unsere Pflegestellen routinemäßige Kontrollbesuche bei den Ratten stattfinden.

Die Ratten leben im Museum in einem Glaskasten.

  • Die Gehegeplanung des Museums hinsichtlich Maßen, Ausgestaltung, Einrichtung und Belüftung wurde durchgehend von der Notrattenhilfe Bielefeld begleitet. Das Gehege ist ein Konsens aus den Sicherheitsvorgaben des Museums (zwingend Sicherheitsglas auf der zu den Besuchern hingewandten Seite) und den Ansprüchen der Ratten (Gitter auf den anderen Seiten und dem Dach, sowie zusätzliche Belüftung ober- und unterhalb der Glasfront). Damit ist eine ausreichende Belüftung für die Tiere sichergestellt.

Wie sieht es im Museum mit Auslauf aus?

  • Auslauf ist im Museum leider nicht möglich. Das Rudel lebt allerdings in einem sehr großen Gehege mit 5,6 qm Grundfläche und 2 Volletagen. Damit haben die Tiere mehr als 5-fach so viel Platz wie es die Mindestmaße nach CageCalc erfordern würden. Vom Platz her entspricht das im Prinzip der Haltung frei in einem kleinen Rattenzimmer oder Dauerauslauf. Wir haben die Gehegeplanung des Museums hinsichtlich Maßen, Ausgestaltung und Belüftung durchgehend begleitet, sowie uns die Gegebenheiten vor Ort bis hin zur Raumtemperatur ausführlich zeigen lassen.

Wie ist die tierärztliche Versorgung der Ratten sichergestellt?

  • Während der Laufzeit der Ausstellung haben die Museumsmitarbeiter einen Tierarzt zur Hand, der sich im Krankheitsfall um die Ratten kümmern wird. Wir haben dem Museum diesbezüglich einen rattenerfahrenen Tierarzt in Hameln empfohlen. Junge Ratten bieten zudem den Vorteil, dass nicht bereits durch Alter ein erhöhtes Krankheitsrisiko besteht.

Was passiert mit den Ratten nach der Ausstellung?

  • Die Planung der Rattenhaltung fand von Beginn an unter der Beratung der Notrattenhilfe Bielefeld statt. Die Ratten sind Vermittlungstiere von uns und werden nur mit Leihvertrag dem Museum für die Zeit der Ausstellung übergeben. Sie kehren nach Ende der Ausstellung wieder in eine unserer Pflegestellen zurück und werden von dort aus vermittelt.
    Wer während der Ausstellung Interesse an den Ratten hat, darf gerne mit uns in Verbindung treten und wird dann unseren regulären Vermittlungsprozess (u. a. erfragen artgerechter Haltungsbedingungen) durchlaufen, um danach sehr gerne einige der Ratten übernehmen zu können.

 

Zusätzliche Informationen